Tim Kruse
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Handy weg, jetzt!

focusbrick

Android-App mit NFC-Baustein zum Sperren von Apps. Profile für Arbeit und Feierabend, alle Daten bleiben auf dem Gerät.

Worum es geht

Ob ich das Handy weglege, entscheide ich alle paar Minuten neu. Die Fokus-Einstellung im Betriebssystem hilft dagegen wenig: Sie sitzt im selben Gerät, das ich gerade nicht benutzen will, und ist mit zwei Wischbewegungen wieder aus. Und ein Schalter, der mir in der Hand liegt, ist schnell wieder umgelegt.

focusbrick verlegt den Schalter auf den Schreibtisch. In einem 3D-gedruckten Gehäuse steckt ein NFC-Aufkleber; ihn anzutippen startet den Fokus, noch einmal antippen beendet ihn. Die App muss dafür nicht geöffnet sein. Solange der Fokus läuft, schiebt sich eine Sperrmeldung nach vorn, sobald eine der ausgewählten Anwendungen geöffnet wird. Welche das sind, steht in Profilen: für die Arbeit ein anderes als für den Feierabend. Dazu eine Statistik der Nutzung mit Tages- und Wochenziel.

Das eigentliche Bauteil ist kein Code. Das Gehäuse ist ein parametrisches Modell zum Selbstdrucken, und der Aufkleber wird durch zwei bis drei Millimeter Kunststoff hindurch gelesen. Dass ich aufstehen und den Baustein anfassen muss, ist Absicht, und die App bietet auch sonst keine Abkürzung. Ins Netz geht sie nur, um nach einer neuen Version zu fragen. Sie hält keine Daten außerhalb des Geräts und wehrt sich nicht dagegen, deinstalliert zu werden.

Warum es so gebaut ist

Fünf Stellen, an denen es auch anders gegangen wäre.

  • Selbst gebaut statt gekauft

    Vergleichbare Produkte gibt es, aber entweder nur für iOS oder zu einem Preis, der für einen Baustein auf dem Schreibtisch nicht passt. Dazu kommt, was so ein Dienst sieht: welche Apps wann vorn sind, über Wochen. Diese Daten bleiben bei mir, auf dem Gerät, ohne Konto bei einem Anbieter. Also ein eigener Bau: die App in Kotlin, das Gehäuse aus dem Drucker.

  • Kein Notausgang in der App

    Geplant war ein Notausgang für den Fall, dass der Baustein zu Hause liegt: zehn Minuten Wartezeit, einmal in mehreren Wochen. Verworfen: die Umständlichkeit des physischen Gegenstands ist das Produkt, und jeder eingebaute Ausweg macht sie zur Verhandlungssache. Der praktische Notfall ist stattdessen durch eine Zeitgrenze gedeckt: Spätestens um drei Uhr nachts endet eine vergessene Sitzung von selbst.

  • Der Blocker liest keine Inhalte

    Einzelne Webseiten zu sperren ginge nur, indem der Dienst die Adresszeile des Browsers mitliest. Die App verzichtet darauf und lässt die Berechtigung, Fensterinhalte zu lesen, ausdrücklich abgeschaltet. Sie erkennt nur, welche Anwendung gerade vorn ist. Installierte Web-Apps sind trotzdem sperrbar, weil das Betriebssystem sie als eigene Anwendungen führt; für gewöhnliche Browser-Tabs bleibt nur, den Browser selbst auf die Liste zu setzen.

  • Bildschirmzeit vom System statt eigener Aufzeichnung

    Die Statistik nimmt die Nutzungszeiten, die Android ohnehin führt, statt selbst mitzuschreiben. Das kostet Reichweite: Der Ereignisstrom reicht nur gut eine Woche zurück, weiter zurück gibt es die Daten schlicht nicht. Selbst mitzuschreiben hieße eine eigene Tabelle samt Migration, für eine Historie, die bei null beginnt und jedes Mal ein Loch bekommt, wenn die App eine Woche lang nicht geöffnet wird.

  • Der Sperrbildschirm wurde wieder leerer

    Auf dem Sperrbildschirm standen Serie, Rekord und der Rest des Tagesziels, als Motivation gedacht, gebaut und ausprobiert. Im Gebrauch war es ein kleines Dashboard an genau der Stelle, an der man das Handy weglegen soll. Geblieben sind die Sperrmeldung und die Dauer der laufenden Sitzung.

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